Vom Chorherrenstift zum Touristenmagneten
Seit mindestens 900 Jahren leben Menschen in und um Interlaken. Doch im starken Gegensatz zu heute bestand die Bevölkerung damals aber fast ausschliesslich aus Bauernfamilien und deren Knechten. Wie entwickelte sich das ländliche „Bödeli“, wie die Einheimischen es nennen, zur weltbekannten Tourismus-Hochburg Interlaken?
Von regional…
Dank seiner Lage zwischen zwei Seen bietet das Bödeli äusserst fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft. Das erkannte bereits ein Augustiner Chorherrenstift, der erstmals im Jahr 1133 erwähnt wurde. Aus dem einsamen Stiftshaus wurde ein kleiner Weiher, dann ein stolzes Dörfchen und schliesslich das geschäftige Interlaken, wie wir es heute kennen.
Erste überregionale Aufmerksamkeit erhielt die Region durch das Alphirtenfest Unspunnen. Ursprünglich zur Versöhnung zwischen Stadt und Land ins Leben gerufen, wurde es 1805 erstmals gefeiert und zieht seither immer wieder zahlreiche Besucher an – auch wenn es nur unregelmässig stattfindet. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts führte das steigende Interesse dazu, dass immer mehr Pensionen das Recht erhielten, Gäste zu beherbergen.
Kurz darauf rückte ein majestätisches Naturwahrzeichen in den Fokus: die inzwischen weltbekannte Jungfrau. Die Aargauer Brüder Johann Rudolf und Hieronymus Meyer unternahmen am 1. August 1811 – dem Schweizer Nationalfeiertag – einen Aufstiegsversuch. Sie starteten vom Lötschbergtal aus und erreichten zwei Tage später den Gipfel. Mit der Erstbesteigung eines Schweizer Viertausenders begann die touristische Erschliessung des Berner Oberlandes.
… bis international
Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung Interlakens zum Touristenmagneten war die Einführung der Dampfschifffahrt: 1835 auf dem Thunersee und 1839 auf dem Brienzersee. Ein halbes Jahrhundert später folgten die Bergbahnen in Lauterbrunnen und Grindelwald. 1912, fast genau 100 Jahre nach der Erstbesteigung der Jungfrau, wurden schliesslich die Jungfraubahnen eröffnet.
Während die Brüder Meyer damals nur etwa 30 Minuten auf dem Gipfel verweilen konnten, ist der Aufenthalt heute deutlich komfortabler. Der höchste Bahnhof Europas empfängt jährlich über eine Million Gäste und fasziniert mit seiner ewig weissen Gletscherlandschaft Besucher aus aller Welt.












































